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Ich allein zuhaus

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Ich allein zuhaus

die besonderen (01/2020): Ma­ga­zin des Fachbereich Besondere Dienstleistungen
die besonderen (01/2020): Ma­ga­zin des Fachbereich Besondere Dienstleistungen ver.di Ich allein zuhaus  – die besonderen (01/2020): Ma­ga­zin des Fachbereich Besondere Dienstleistungen


EDITORIAL

Ich allein zuhaus - Grenzen für die neue Arbeitswelt

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die Corona-Pandemie gefährdet alle Menschen. Sie hat tiefgreifende Auswirkungen auf unser Alltags- und Arbeitsleben sowie auf den Arbeitsmarkt.

Die Bundesregierung hat bereits einige Maßnahmen ergriffen: zum Schutz unserer Gesundheit wie zur Eindämmung des Virus. Dabei geht es auch um die Erweiterung der Kapazitäten des Gesundheitssystems, das unter der weitgehenden Privatisierung leidet. Die Krise zeigt überdeutlich, dass hier ein nachhaltiger Systemwechsel erforderlich ist.

Die Maßnahmen zum Schutz von Arbeitsplätzen und Unternehmen verdienen durchaus unsere Anerkennung. Allerdings zeigt die Verteilung der 1,8 Billionen Euro Staatshilfen auch die bestehende soziale Ungerechtigkeit. Über 700.000 Betriebe haben bereits Kurzarbeit angemeldet. Angesichts dieser Dimension und der Tatsache, dass die anfängliche gesetzliche Regelung von 60 bzw. 67 Prozent Kurzarbeitergeld zu gering ist, damit Beschäftigte ihr Leben und das ihrer Familien für ein Mindestmaß absichern können, fordert ver.di auch nach der Nachbesserung die Erhöhung auf 80 Prozent vom Netto und für Beschäftige mit Einkommen auf 90 Prozent.

Wie hart die Einschnitte am Arbeitsmarkt und in die Einkommen der meisten Beschäftigten sind, zeigt sich auch in den Branchen des Fachbereichs. In der durch Insolvenzen bedrohten Tourismusbranche sind die Arbeitsplätze unserer Kolleg*in nen gefährdet, im Gewerbe der Friseur*innen treibt das zu geringe Kurzarbeitergeld unsere Kolleg*innen verstärkt in die Abhängigkeit von Sozialleistungen. Kolleg*innen werden aus den Call centern ins Homeoffice geschickt, egal, ob ein geeigneter Arbeitsplatz vorhanden ist. Die Arbeitgeber im Bereich der Wach- und Sicherheit lehnen es ab, mit uns Tarifverträge zur Kurzarbeit abzuschließen und auch viele andere Arbeitgeber nehmen ihre soziale Verantwortung nicht ausreichend wahr.

Liebe Kollegen und Kolleginnen, auch der Arbeitsalltag als Gewerkschafter*in ist aktuell ein anderer. Vorrangig steht ver.di den Mitgliedern zu allen Fragen rund um Corona und ihr Beschäftigungsverhältnis am Telefon zur Verfügung. Und wir  beraten die Betriebsräte zu ihren Mitbestimmungsrechten, Gestaltungs- und Regelungsmöglichkeiten. Unsere ehrenamtlichen Kolleg*innen im Betrieb setzen sich aktuell nicht nur mit den Anliegen, sondern auch mit den Ängsten ihrer Kolleg*in nen auseinander. Die Krise zeigt eben auch, wie wichtig gewerkschaftliche Solidarität und Zusammenhalt sowie unser Handeln im Betrieb, in einer Tarifkommission oder im Betriebsrat, als Gewerkschaftssekretär* in und in vielen anderen Funktionen ist. Für dieses Engagement, möchte ich Euch – auch in meiner Funktion als stellvertretende ver.di-Vorsitzende – herzlich danken.

Christine Behle
Mitglied des ver.di-Bundesvorstandes
und Leiterin der Fachbereiche Besondere Dienstleistungen und Sozialversicherung, Bund und Länder, Gemeinden, Verkehr

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