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    Rollback der Geschlechterrollen stoppen

    Weltfrauentag

    Rollback der Geschlechterrollen stoppen

    Mehr Gewerkschaft. Mehr Gleichstellung. Mehr denn je!
    Lieber "Hälfte-Hälfte" als "Bessere Hälfte" ver.di Lieber "Hälfte-Hälfte" als "Bessere Hälfte"  – Andrea Kühnemann, stellv. Landesbezirksleiterin, zum Internationalen Frauentag 2021


    Weniger Geld und weniger Rente – aber mehr Verantwortung für die Kinder und mehr Altersarmut: Frauen sind im deutschen Erwerbsleben immer noch sehr benachteiligt. Das gilt in Corona-Zeiten noch mal mehr.

    Die Corona-Krise trifft Frauen besonders hart. „Die Pandemie verschärft die Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern“, sagt Andrea Kühnemann, stellvertretende Landesbezirksleiterin von ver.di Berlin-Brandenburg. „Vor allem Frauen arbeiten in systemrelevanten und zugleich unterbezahlten Berufen. Sie sind in der Krise aufgrund von Freistellung, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit besonders von Einkommenseinbußen betroffen.“

    Hinzu kommt: Frauen übernehmen den überwiegenden Teil der familiären Sorgearbeit und reduzieren dafür ihre Arbeitszeit. Jetzt gilt es zu verhindern, dass die Krise zu einem Rollback der Geschlechterrollen führt. Generell sollten künftig alle politischen Planungen, Vorhaben und Finanzentscheidungen daraufhin geprüft werden, ob sie die Gleichstellung von Männern und Frauen vorantreiben. „Die Ziele sind klar: Wir brauchen bessere Löhne in frauendominierten Berufen, mehr Frauen in Führungspositionen und eine geschlechtergerechte Verteilung von Erwerbs- und Sorgearbeit“, so Andrea Kühnemann weiter.

    Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: In Deutschland verdienen Frauen immer noch 22 Prozent weniger als Männer in vergleichbaren Positionen und arbeiten aufgrund der zusätzlichen Familienarbeit häufiger in Teilzeit. Das wirkt sich sehr deutlich auf die Rente aus. Laut einer OECD-Studie in ihren Mitgliedsländern von 2019 ist die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern in Deutschland am höchsten: Danach ist die Rente bei Frauen über 65 in Deutschland heute im Schnitt 46 (!) Prozent niedriger als bei Männern. „Das geht gar nicht“, sagt Andrea Kühnemann. „Da müssen wir dringend gegensteuern.“

    Dabei gilt: Mit Tarifverträgen kommen Frauen besser durch die Krise. Höhere Gehälter, Sonderleistungen wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, bessere Arbeitszeitregelungen und eine kleinere Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen sind auf gute Tarifverträge zurückzuführen. „Daher müssen wir die Tarifbindung stärken, vor allem in frauendominierten Branchen. Das wäre ein wichtiger Schritt, um die Arbeit in den systemrelevanten Berufen endlich aufzuwerten, Er ist schon zu lange überfällig“, so Andrea Kühnemann.