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Gedanken zum Tag der Arbeit

Fragen an Frank Wolf (ver.di-Landesbezirksleiter)

Gedanken zum Tag der Arbeit

Heraus zum 1. Mai! Uwe Hiksch (CC BY-NC-SA 2.0) Heraus zum 1. Mai!
  • Was treibt Frank Wolf, den Leiter des Landesbezirks von ver.di Berlin-Brandenburg vor dem 1. Mai um?

„Ich freue mich sehr über den Tarifabschluss bei der BVG, den die Kolleginnen und Kollegen erkämpft haben. Erfreulich war auch die überwiegende Solidarität in der Bevölkerung mit den Streikenden. Es gab allerdings auch Kommentare, die ein negatives Licht auf die politische Kultur in unserem Lande werfen. Das Streikreicht ist ein demokratisches Grundrecht, auf das wir stolz sein sollten. Hätte es das Streikrecht in den vergangenen Jahrzehnten nicht gegeben, gäbe es weder ein Recht auf Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, noch Kündigungsschutz oder die 5-Tage-Woche. Das alles ist nicht der Gnade von Unternehmern zu verdanken. Nein, es wurde erkämpft, von Gewerkschaften und ihren Mitgliedern. Wir streiten also auch für Einhaltung von Grundrechten und für eine politische Kultur, die diesen Namen verdient.“

 

  • Was fällt dir zu Guter Arbeit ein? Wie siehst du die aktuelle Lage?

„Prekäre Beschäftigung wie Arbeit auf Abruf, befristete Tätigkeiten oder geringfügige Arbeitsverhältnisse nehmen zu: Und das in einer Region, in der immer noch 20 % unter Westniveau verdient wird. Mehr als 140.000 Menschen gelten in Berlin und Brandenburg als Aufstocker, bekommen also staatliche Unterstützung zu ihrem kargen Lohn. Laut DGB-Index Gute Arbeit meint beinahe jeder zweite, sein Geld reiche nicht zum Leben; vielfach müssen zwei Jobs her, um das Leben meistern zu können. Fast 40 % leisten Überstunden zum Nulltarif. Dem muss Einhalt geboten werden. Bei jeder Tarifverhandlung in der Region müssen diese Fakten immer mitgedacht werden. Wenn wir Gute Arbeit zum Gütesiegel für Berlin und Brandenburg machen wollen, müssen Wildwestmethoden ein Ende finden. Dazu zähle ich auch das Unterlaufen des Mindestlohns! Dafür brauchen wir starke Gewerkschaften, die sich weder für ihre Tarifverhandlungen noch für Streiks entschuldigen müssen.“