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Deutschlehrkräfte in Integrationskursen

Bildung, Wissenschaft und Forschung

Deutschlehrkräfte in Integrationskursen

(187) 30.06.2015

Protest beim Besuch des Bundesinnenministers am 1. Juli 2015
Deutschlehrkräfte in Integrationskursen demonstrieren gegen Unterbezahlung 

Anlässlich eines Besuchs von Bundesinnenminister de Maizière am 1. Juli an der Volkshochschule Berlin Mitte rufen die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Berliner Vertretung der Volkshochschuldozent/inn/en zu einer Protestkundgebung auf. Deutschlehrkräfte in Integrationskursen demonstrieren für eine angemessene Bezahlung auf Lehrer/innen/niveau. Der Bundesinnenminister kommt zu einer feierlichen Zertifikatsverleihung des Deutschtests für Zuwanderer (DTZ) an die VHS. 

Bei der Aktion, die vor der VHS Mitte in der Antonstraße im Wedding stattfindet, werden Integrationslehrkräfte von der VHS und privaten Trägern - alt und arm verkleidet - auf ihre Unterbezahlung und drohende Altersarmut aufmerksam machen. Sie fordern den Minister auf, mehr Geld für eine angemessene Vergütung der Lehrenden an die Sprachkursträger zuzuweisen. „Wir arbeiten gerne in unserem Beruf, aber die Bezahlung ist schlecht und die Rentenaussichten liegen nach einem Vollzeitarbeitsleben bei etwa 500 Euro. Das ist keine Wertschätzung von der Politik für unsere Arbeit,“ sagt Beate Strenge von der Berliner VHS-Dozent_innen-Vertretung.  

Deutsch-Dozent/inn/en in Integrationskursen haben studiert, verdienen aber als Honorarkräfte nicht einmal halb so viel wie angestellte Lehrer/innen mit vergleichbarer Qualifikation. Im Vollzeitjob - je nach Sprachkursträger – sind das zwischen 800 und 1200 Euro pro Monat nach Abzügen. Selbst bei jahrzehntelanger Vollzeitarbeit für einen Auftraggeber werden sie freiberuflich mit kurzfristigen Honorarverträgen eingesetzt. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gibt zwar Qualifikation, Lehrbücher, Lernziele, Deutschprüfungen und bürokratische Aufgaben vor, aber die Bundesregierung drückt sich mit einer geschickten Konstruktion und einer zu geringen Zuweisung an die öffentlichen und privaten Sprachkursträger vor sozialer Verantwortung. „Wir können es nicht mehr ertragen, dass sich die Bundesregierung mit Integrationspolitik schmückt und die Lehrkräfte dabei ausbeutet“, resümiert die Berliner VHS-Aktivistin Beate Strenge. „Für uns bedeutet das Armut, Scheinselbständigkeit, Rechtlosigkeit im Auftrag der Bundesregierung.“ 

Als interkulturelle Experten geben rund 22.000 Deutschlehrkräfte in Integrationskursen Migrant/inn/en aus allen Herkunftsländern eine Orientierung für das neue Leben in Deutschland. Sie unterrichten Menschen mit verschiedenen Muttersprachen und Bildungshintergründen, sie geben u.a. Alphabetisierungskurse, Deutschkurse für den Beruf, Jugend-Integrationskurse, lehren Politik und Geschichte und nehmen Sprach- und Einbürgerungsprüfungen ab. Deutschlehrkräfte müssen von ihrem spärlichen Honorar alsrentenversicherungspflichtige Selbständige hohe Beiträge an die Sozialversicherung zahlen: Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil für Renten-, Pflege- und Krankenversicherung. Am Ende: Rentenaussichten zwischen 400 und 700 Euro pro Monat nach ca. 35 Arbeitsjahren in Vollzeit.

ver.di fordert daher für die Deutschlehrkräfte angesichts ihrer akademischen und sprachdidaktischen Ausbildung sowie beruflichen Anforderung Vergütung und Rente analog zu Berufsschullehrer/inne/n. Ihre Beschäftigung sollte entweder als Arbeitnehmer/in oder freiberuflich im arbeitnehmerähnlichen Status mit dementsprechend 60 Euro pro Unterrichtseinheit plus Arbeitgeberanteil zur Sozialversicherung erfolgen. Die Bedingungen sind in einem Tarifvertrag festzuschreiben. 

Fototermin und Aktion: 1. Juli, 2015, 13.00 bis 14.00 Uhr, VHS Berlin Mitte, Antonstraße 37, 13347 Berlin - U-Leopoldplatz

Für Rückfragen:
André Pollmann, ver.di Fachbereichsleiter, Bildung Wissenschaft und Forschung, T. 0170/574 85 40

Nur nach Rückfragen bei verdi:
VHS-Dozent_innenvertretung: Beate Strenge (Sprecherin) 0151 - 65 19 40 80

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