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VHS-Deutschdozentin klagt nach fristlosem Rauswurf (126)

VHS-Deutschdozentin klagt nach fristlosem Rauswurf (126)

20.07.2020

Am Arbeitsgericht Berlin geht es diesen Mittwoch, dem 22. Juli 2020, um eine Auseinandersetzung, die die prekäre freiberufliche Beschäftigung von Deutschdozent/inn/en an Berliner Volkshochschulen betrifft. Sie arbeiten Tag für Tag im öffentlichen Auftrag für die Integration von Zuwander/inne/n. Die Klage wird von ver.di Berlin-Brandenburg unterstützt.

Die Deutschdozentin Inez S. (Name geändert) wurde Anfang 2019 nach 27-jähriger arbeitnehmerähnlicher Tätigkeit an der Volkshochschule Friedrichshain-Kreuzberg in Berlin von heute auf morgen per E-Mail rausgeworfen. Vorausgegangen war ein Streitgespräch mit ihrem damals neuen Fachbereichsleiter Deutsch über mangelnde Transparenz bei der Kursvergabe und Altersdiskriminierung. Ihre berufliche Eignung war unumstritten. Sie war 2019 im Jahresprogramm ihrer VHS namentlich eingeplant. Am 22. Juli 2020 muss das Arbeitsgericht Berlin darüber befinden, ob es sich bei der namentlichen Nennung im VHS-Programm und bei Kursabsprachen per Email um vertragliche Regelungen handelt, auch wenn die Honorarverträge noch nicht unterschrieben waren. Frau S. möchte die Honorare für die mit ihr geplanten und im Programmheft 2019 ausgewiesenen Kurse einklagen. Hintergrund: Auch bei jahrzehntelanger Beschäftigung erhalten VHS-Dozenten immer nur kurzfristige Honorarverträge für wenige Wochen.

„Der Fall S. illustriert die Rechtlosigkeit von Honorarlehrkräften an den Berliner Volkshochschulen,“ sagt Beate Strenge, ver.di-Sprecherin in der VHS-Dozent*innenvertretung Berlin. „Das ist akademische Tagelöhnerei im öffentlichen Auftrag. Wir unterstützen unsere Kollegin, die eine Honorar-Erstattung und die Weiterbeschäftigung an der VHS verlangt“.

Für die soziale Absicherung arbeitnehmerähnlicher Lehrkräfte fordert ver.di gemeinsam mit der Berliner VHS-Dozent*innen-Vertretung einen Tarifvertrag – nach dem Modell an öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten - sowie Festanstellungen für Daueraufgaben. Im Berliner Regierungsprogramm von 2017 sind die soziale Absicherung sowie tarifvertragliche Regelungen für VHS-Dozenten als Ziel benannt. Zudem hat das Berliner Abgeordnetenhaus am 04. Juni 2020 den Antrag „Mehr soziale Sicherheit für VHS-Dozent*innen“ beschlossen. Zwar sind Verbesserungen in Arbeit, aber bisher nicht umgesetzt.

Termin:
Mittwoch, 22. Juli 2020, 12:00 Uhr, Raum 513, Arbeitsgericht Berlin, Magdeburger Platz 1, 10785 Berlin

Für Rückfragen:
Jana Seppelt, ver.di Gewerkschaftssekretärin, ver.di Berlin-Brandenburg, Fachbereich Bildung, Wissenschaft und Forschung, mobil: 0176 / 637 96 810, Mail: jana.seppelt@verdi.de

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