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ver.di zum Tag der Pflegenden

ver.di zum Tag der Pflegenden

Arbeitsüberlastung und Tarifflucht in Kliniken und Pflegeeinrichtungen führen zu Pflegenotstand! (86) 11.05.2018

"Nur eine deutliche Verbesserung der Arbeitsbedingungen in Kliniken und Einrichtungen der Alten- und Krankenpflege kann dem Pflegenotstand entgegen wirken“, sagt Meike Jäger, Landesfachbereichsleiterin Gesundheit und Soziales bei ver.di Berlin-Brandenburg zum diesjährigen Tag der Pflege am 12. Mai. Immer noch ist es nach ver.di-Angaben in der Mehrzahl der Berliner und Brandenburger Kliniken und Pflegeeinrichtungen die Regel, dass eine Pflegekraft nachts alleine für eine Station oder Wohneinheit zuständig ist – ein wesentlicher Grund für die Überlastung von Pflegekräften und der Gefährdung von Patient/inn/en oder Bewohner/inne/n.

Nach aktuellen Berechnungen der Bertelsmann Stiftung werden, wenn nicht jetzt gegengesteuert wird, 500.000 Pflegekräfte bis zum Jahr 2030 fehlen. Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt kontinuierlich, bis 2030 in Brandenburg sogar um ca.72 Prozent. Allerdings führen nach Auffassung der Gewerkschaft ver.di schlechte Arbeitsbedingungen in der Pflege bei vielen Pflegekräften zu einem vollkommenen oder teilweisen Ausstieg aus dem Beruf. „Gute Arbeits- und Ausbildungsbedingungen sowie die Steigerung der Ausbildungsbemühungen sind daher zur Deckung des künftigen Fachkräftebedarfs unabdingbar und wichtiger als Anwerbeprogramme für Pflegekräfte im Ausland“, so Jäger weiter.

ver.di sieht in der Pflege die Landespolitik in der Verantwortung: „Solange die vom Land zu finanzierenden notwendigen Investitionskosten für die Kliniken in Berlin und Brandenburg noch nicht einmal zu 50 Prozent getragen werden, bleibt in den Krankenhäusern der Druck, beim Pflegepersonal zu sparen sowie andere Tätigkeiten auszugliedern um Kosten zu sparen, weiterhin hoch“, so Meike Jäger. In Berliner und Brandenburger Altenpflegeeinrichtungen bestehe mehrheitlich keine Tarifbindung. Nach den Erhebungen zum Gehaltsatlas 2018 (www.gehalt.de) stellt Brandenburg das Schlusslicht bei den Gehältern dar. Der Durchschnittsverdienst einer Fachkraft in der ambulanten und stationären Altenpflege liegt bundesweit bei etwa 2465 Euro; Beschäftigte hier in der Region verdienen oft noch deutlich weniger. Im Vergleich zu Pflegefachkräften im Krankenhaus liegen sie mit ihrem Einkommen immer noch im Schnitt 500 – 700 € unter deren Gehalt.

Meike Jäger sieht deutlichen Handlungsbedarf beider Landesregierungen bezogen auf die Verbesserungen der Rahmenbedingungen für alle Gesundheitsberufe, insbesondere der Pflege. Ausreichende Klinikinvestitionen – insbesondere für die öffentlichen Krankenhäuser deren Infrastruktur über Jahre kaputtgespart wurde - sei eine der unerledigten, aber drängende Aufgaben der Landespolitik. Dass hier dringender Handlungsbedarf bestehe, zeigen u. a. auch die vielen Unterschriften für und die Aktivitäten rund um den Berliner Volksentscheid für Gesunde Krankenhäuser. Irritierend sei auch, dass die Landesregierung Brandenburgs, statt sich um auskömmliche Personalschlüssel sowie um Standards Guter Arbeit in der Altenpflege zu bemühen, mit großem Aufwand die Befragung aller Brandenburger Pflegekräfte über die mögliche Einrichtung einer Landespflegekammer starte. ver.di befürchtet, dass am Ende für die betroffenen Pflegekräfte möglicherweise nur eine teure Symbolpolitik ohne Wirkung dabei herauskommt.

 

http://www.tarifvertrag-entlastung.verdi.de

https://gesundheit-soziales-bb.verdi.de/themen/pflegekammer

https://gesundheit-soziales-bb.verdi.de/branchen-berufe/krankenhaeuser/charite/++co++e390308e-164a-11e8-bf57-525400f67940

 

Für Rückfragen:

Meike Jäger, ver.di-Fachbereichsleiterin Gesundheit, soziale Dienste, Wohlfahrt und Kirchen, mobil: 0170 / 79 48 197.

 

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